Bei einem erfrischenden Gespräch mit der jungen türkischen Künstlerin
BENGISU BAYRAK, die eine Gabe des "Hinterfragens" besitzt und zur Zeit
in London lebt, konnte Arttraffic.com kleine Einblicke in den aufstrebenden
und boomenden Kunstmarkt in der Türkei werfen.
Voller Hoffnung und froh über junge Talente bezog sich die erste Frage, die
BAYRAK gestellt wurde, auf die grundsätzlichen Unterschiede des
europäischen und türkischen Blickwinkels auf die Kunst.
BAYRAK: "Europa und Amerika besitzen einen ganz anderen Blickwinkel zur
zeitgenössischen Kunst, als die Türkei dies tut, in der traditionellere Kunstrichtungen,
wie zum Beispiel die Calligraphie, die Bildhauerei oder die Miniaturmalerei im
Vordergrund stehen und die Ölmalerei eigentlich eine Geschichte von ca. 300
Jahren aufweist. Dies ist auch eines der Gründe, warum Contemporary Art sich in
der Türkei noch nicht als Investitionsmöglichkeit durchsetzen konnte."
ARTTRAFFIC: "Namentlich bekannte Künstler wie Ömer Uluc, Bedri Baykam,
Mehmet Güleryüz oder Burhan Dogancay konnten sich im Laufe der Jahre in
Europa etablieren. Denken Sie, dass diese Künstler es geschafft haben, weil sie
dem europäischen Standart treu geblieben sind ?"
BAYRAK: "Die eigentliche Frage ist, was man unter dem europäischen Standart
eigentlich versteht, aber diese Herren haben nunmal jenes geschafft, was türkischen
Künstlern lange Zeit sehr schwer fiel: sie haben Werke geschaffen, als wären sie Europäer.
Deren Generation ist angenommen worden, unserer Generation haftet jedoch ein
"anarchischer Beigeschmack" an, da sich der türkische Kunstblick in den letzten Jahren
in das Abstrakte jeglicher Radikalität gedreht hat."
ARTTRAFFIC: "Burhan Dogancays BLAUE SINFONIE hat seinen Besitzer für umgerechnet
1.1 Millionen Euro gewechselt. Halten Sie das für angemessen ?"
BAYRAK : "Wie schon Charles Saatchi sagte, geht es nur darum, wieviele Menschen bei
der Auktion anwesend sind, die sich gegenseitig nicht leiden können und denen das Werk
gefällt. Ich finde den Betrag nicht übertrieben und denke, dass sich im Laufe der nächsten
Jahre die Beträge für solche Künstler noch weiter in die Höhe schieben werden."
ARTTRAFFIC: "Sie leben zur Zeit in London. Was ist Ihrer Meinung nach ein wichtiger
Unterschied zur türkischen Kunstwelt ?"
BAYRAK: "Ich denke, dass der Unterschied hauptsächlich darin besteht, dass der türkische
Betrachter von einem ausgestellten Kunstwerk mehr erwartet, mehr Hintergedanken und
Messages verlangt. Warum gerade diese Farbe, warum so eine Form, was wollen sie damit sagen.
Das sind ganz normale Fragen, die sich ein Künstler bei seiner Exhibition gegenüberstellen muss.
Die Menschen dursten eben danach, aus so wichtigen Objekten, wie Kunstwerken etwas zu lernen."
ARTTRAFFIC: "Wir danken Ihnen sehr für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin
Inspiration und Erfolg."